Junge Frauen, die häufig stark verarbeitete Lebensmittel essen, entwickeln schon in ihren Dreißigern oder frühen Vierzigern Veränderungen im Darm, die als Vorstufe zu Krebs gelten können, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf t-online. Darauf weist eine neue US-Studie hin, die den Zusammenhang zwischen ultraverarbeiteten Produkten und dem Auftreten von Polypen im Dickdarm untersucht hat.
Fertige Pizza, Pommes, Snacks und andere ultraverarbeitete Lebensmittel (UPF) gehören für viele Menschen zum Alltag: Sie sind billig, schnell verfügbar und überall zu kaufen. Doch ein Forschungsteam vom Massachusetts General Hospital zeigt, dass dieser Komfort einen Preis hat. Wer solche Produkte regelmäßig konsumiert, setzt seine Darmgesundheit bereits in jungen Jahren einem deutlich höheren Risiko aus – insbesondere dem Risiko, Polypen zu entwickeln, die später zu Darmkrebs führen können.
Wer wurde untersucht – und was kam dabei heraus

Unter Leitung des Gastroenterologen Andrew Chan analysierten die Forschenden Daten von mehr als 29.000 Teilnehmerinnen der langfristigen US-Studie „Nurses’ Health Study II“. Als die Untersuchung Anfang der 1990er-Jahre startete, waren die Frauen zwischen 25 und 42 Jahre alt. Sie berichteten im Laufe der Jahre regelmäßig über ihren Lebensstil, ihre Bewegungsgewohnheiten und detailliert über ihre Ernährung – darunter auch über die Menge an ultraverarbeiteten Produkten, die sie täglich zu sich nahmen.
Im Verlauf der Studie wurden bei jeder vierten Frau Polypen im Dickdarm festgestellt. Bis 2015 hatten alle Teilnehmerinnen ein Alter von mindestens 50 Jahren erreicht. Bei etwa einer von 25 Frauen fanden Ärztinnen und Ärzte im Rahmen einer Koloskopie sogenannte „konventionelle Adenome“, einen Polypentyp, der als Vorstufe für kolorektalen Krebs gilt und das spätere Erkrankungsrisiko deutlich erhöht.
Wie stark erhöht UPF den Risiken?
Um den Einfluss der Ernährung genauer zu bewerten, teilte das Team die Frauen in fünf Gruppen ein. Die Gruppe mit dem geringsten UPF-Verbrauch kam im Schnitt auf rund drei Portionen pro Tag (ohne Hauptmahlzeiten). Die Gruppe mit dem höchsten Konsum erreichte dagegen fast zehn Portionen täglich. Eine Portion entsprach zum Beispiel einer Snack-Packung, einem gesüßten Getränk oder einer fertigen Mahlzeit.
Das Ergebnis war eindeutig: Frauen, die sehr viele ultraverarbeitete Produkte konsumierten, hatten bis zum 50. Lebensjahr ein um etwa 45 Prozent höheres Risiko, Adenome zu entwickeln. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, selbst nachdem Faktoren wie Bewegung, Rauchen, Körpergewicht und Gesamtenergieaufnahme berücksichtigt wurden. Damit erscheinen ultraverarbeitete Lebensmittel als ein eigenständiger Risikofaktor für den Darm.
Was zählt zu ultraverarbeiteten Produkten?

UPF umfassen nicht nur klassischen Fast Food, sondern eine breite Palette industriell hergestellter Lebensmittel, die reich an Zusatzstoffen, Zucker, Salz und ungesunden Fetten sind, aber kaum Ballaststoffe oder Vitamine liefern. Dazu gehören unter anderem:
- gesüßte Softdrinks und andere Süßgetränke
- abgepackte Snacks, Chips, Kekse und Süßwaren
- Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza oder Instant-Nudeln
- gesüßte Frühstücksflocken und Cornflakes
- industriell gebackenes Brot, Toast und verpackte Backwaren
- stark verarbeitetes Fleisch wie Wurst, Salami, Hotdogs und Nuggets
- Käseersatzprodukte und Schmelzkäse
Frühere Studien haben ultraverarbeitete Lebensmittel bereits mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht – Erkrankungen, die ebenfalls das Darmkrebsrisiko erhöhen.
Wie können UPF den Darm beeinflussen?
Das aktuelle Forschungsergebnis beweist keinen direkten Ursache-Wirkungs-Mechanismus, zeigt jedoch deutliche Hinweise auf frühe, oft unbemerkte Veränderungen im Darm. Polypen entwickeln sich meist langsam und verursachen über Jahre hinweg keine Beschwerden. Werden sie nicht rechtzeitig entfernt, kann sich ein Teil davon zu kolorektalem Krebs weiterentwickeln.

Mehrere Faktoren könnten erklären, warum UPF das Risiko erhöhen. Die Produkte bestehen oft aus vielen Zusatzstoffen, enthalten hohe Mengen Zucker und schädliche Fette und können das Gleichgewicht der Darmmikrobiota stören. Diese Veränderungen fördern chronische Entzündungen und beeinflussen Stoffwechselprozesse, wodurch Zellen im Darm anfälliger für krankhafte Veränderungen werden. Hinweise aus anderen Studien zeigen außerdem, dass ein pflanzenbetonter Ernährungsstil mit viel Ballaststoffen – gelegentlich als „5-Punkte-Regel“ beschrieben – das Darmkrebsrisiko deutlich senkt.
Grenzen der Studie und offene Fragen
Trotz der großen Datenbasis gibt es Einschränkungen. Die Angaben zur Ernährung stammen aus Selbstauskünften der Teilnehmerinnen und können Ungenauigkeiten enthalten. Außerdem bestand die gesamte Stichprobe aus US-amerikanischen Krankenschwestern – einer relativ homogenen Gruppe, die nicht unbedingt die Bevölkerung anderer Länder wie Deutschland oder Österreich repräsentiert.
Andrew Chan betont deshalb, dass der gelegentliche Verzehr einer Pizza oder eines Schokoriegels niemanden automatisch in Gefahr bringt. Die Ergebnisse seien vielmehr „ein Teil des Puzzles“, das helfen könne zu verstehen, warum Darmkrebs weltweit zunehmend jüngere Erwachsene betrifft. Künftige Forschungen müssten klären, ob sich dieser Zusammenhang auch bei Männern, anderen Altersgruppen und in verschiedenen Ernährungs-kulturen zeigt.
Was bedeutet das für den Alltag?
Fachleute raten nicht zu Panik, sondern zu einem bewussteren Blick auf den eigenen Speiseplan. Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten sowie wenig rotem Fleisch, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln bleibt weiterhin die beste Empfehlung. Eine gelegentliche Tiefkühlpizza oder eine Tafel Schokolade verändern die Bilanz nicht entscheidend – entscheidend ist, was regelmäßig und in größeren Mengen gegessen wird.
Die aktuelle Studie liefert jedoch ein zusätzliches Argument dafür, den Konsum ultraverarbeiteter Produkte zu reduzieren. Wer Fast Food, Fertiggerichte und süße Snacks zum wesentlichen Bestandteil seiner Ernährung macht, belastet seinen Körper dauerhaft – und diese Belastung kann sich früher bemerkbar machen, als viele bisher angenommen haben.
Ein ähnliches Gesundheitsrisiko beleuchten auch neue Erkenntnisse zum steigenden Bluthochdruck bei Kindern weltweit, über die Experten umfassend berichten.

