Die groß angekündigte „historische“ Preissenkung bei Lidl hat offenbar nicht lange gehalten, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf handelsblatt.com. Neue Auswertungen zeigen, dass Kundinnen und Kunden für einen Teil der beworbenen Produkte inzwischen wieder mehr bezahlen.
Große Versprechen und was davon übrig blieb
Im Wettbewerb um preisbewusste Kundschaft liefern sich Aldi und Lidl seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Mai kündigte Lidl das „größte Preissenkungsprogramm seiner Geschichte“ an und senkte nach eigenen Angaben die Preise von 500 Artikeln. Für viele Verbraucher klang das nach einer dauerhaften Entlastung beim Einkauf.
Einige Monate später zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Ein Teil der Produkte ist wieder teurer geworden, obwohl sie zuvor offensiv als günstiger beworben wurden. Der Eindruck einer nachhaltigen Preissenkung gerät damit ins Wanken.
Was der Blick auf die Kassenbons zeigt

Für eine Auswertung hat der Preisvergleichsdienst Smhaggle mehr als 100.000 Kassenbons analysiert, die Ergebnisse veröffentlichte das Handelsblatt. Demnach liegen die Preise der beworbenen Lidl-Artikel aktuell im Durchschnitt 3,9 Prozent höher als zu Beginn der Aktion. Kundinnen und Kunden zahlen also wieder mehr als noch im Mai.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass ein Teil der Rabatte schrittweise zurückgenommen wurde. Zwar liegen manche Preise noch unter dem früheren Niveau, von einer stabilen Preissenkung kann jedoch nicht durchgehend die Rede sein.
Lidl verweist auf Wettbewerb, bleibt aber vage
Auf Nachfrage erklärte Lidl, seit Start der Aktion seien die Preise von 900 Produkten dauerhaft gesenkt worden. Eine Liste dieser Artikel wollte das Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht veröffentlichen. Auch zur konkreten Preisentwicklung im gesamten Sortiment äußerte sich der Discounter nicht.
Diese Zurückhaltung sorgt für Skepsis. Ohne transparente Daten lassen sich die Aussagen kaum überprüfen, und viele Kunden orientieren sich am Ende nur an ihrem eigenen Einkaufserlebnis.
Warum dauerhafte Preissenkungen selten sind
Der Discount-Experte Mark Huppermanns von DRC Discount Retail Consulting sieht in solchen Aktionen vor allem ein Marketinginstrument. Niedrige Preise sollen das Bild vom günstigsten Anbieter festigen und Kundschaft anziehen. Eine echte, langfristige Preisschlacht würde für die Händler jedoch hohe Verluste bedeuten.
Ein dauerhaftes Unterbieten zwischen Aldi und Lidl, so Huppermanns, wäre wirtschaftlich kaum sinnvoll. Stattdessen setzen beide Ketten auf zeitlich begrenzte Effekte, die Aufmerksamkeit erzeugen, ohne die Margen dauerhaft zu belasten.
Lebensmittel werden insgesamt teurer

Unabhängig von einzelnen Aktionen steigen die Lebensmittelpreise insgesamt weiter. Höhere Kosten für Rohstoffe, Energie, Logistik und Personal schlagen sich ebenso nieder wie Ernteausfälle und Folgen des Klimawandels. Offizielle Statistiken zeigen, dass gerade Nahrungsmittel zuletzt besonders stark betroffen waren.
Von dieser Entwicklung profitieren weder Landwirte noch Verbraucher. Die Monopolkommission weist darauf hin, dass vor allem Hersteller und große Handelsketten ihre Margen ausweiten. Der Vorsitzende Thomas Duso spricht von einer problematischen Marktkonzentration und steigenden Aufschlägen im Lebensmittelhandel.
Lockangebote sollen Vertrauen schaffen
Um das Preisimage zu pflegen, setzen Discounter regelmäßig auf extrem günstige Schlüsselprodukte. Butter, Kaffee, Schokolade oder Orangensaft signalisieren Sparsamkeit und sollen Hemmschwellen senken. Diese Artikel holen die Kundschaft in den Markt.
Im Laden selbst landen dann häufig weitere, teurere Produkte im Einkaufswagen. Der günstige Einstiegspreis wird so über den gesamten Einkauf ausgeglichen.
Wenn der Wettbewerb die Preise angleicht
Ein weiterer Effekt zeigt sich schnell. Senkt ein Händler den Preis für ein bestimmtes Produkt, ziehen die Konkurrenten meist nach. Innerhalb kurzer Zeit sind die Preise überall ähnlich, und der Artikel verliert seine Funktion als Lockangebot.
Für Verbraucher bedeutet das, dass der Preisvorteil oft nur kurz anhält. Was bleibt, ist der Eindruck einer günstigen Aktion, die ihren Zweck bereits erfüllt hat.
Beispiele für gestiegene Preise nach der Aktion

Die Smhaggle-Analyse nennt konkrete Fälle. Die Bio-Leberwurst Dulano kostete im Mai 1,39 Euro und liegt inzwischen bei 1,69 Euro. Vegane Fruchtgummis von Strolchi stiegen von 0,99 auf 1,29 Euro, der Kartoffelsalat von Chef Select von 1,29 auf 1,49 Euro.
Diese Entwicklungen zeigen, wie temporär viele Preissenkungen sind. Die anfängliche Ersparnis weicht mit der Zeit wieder höheren Preisen.
Preisführerschaft als Kern der Strategie
Für Discounter bedeutet „dauerhaft gesenkt“ laut Huppermanns oft lediglich, dass eine Aktion länger als eine Woche läuft. Preisführerschaft ist für Aldi und Lidl kein Nebenaspekt, sondern Teil ihrer Identität. Sie soll preissensible Kunden binden, Marktanteile sichern und verhindern, dass ein Wettbewerber das Image des günstigsten Anbieters übernimmt.
Deshalb kehren große Ankündigungen zu Preissenkungen regelmäßig zurück. Ob sie langfristig im Geldbeutel ankommen, zeigt sich für viele Kunden erst an der Kasse.
Auch abseits der Preise stehen 2026 im Handel spürbare Veränderungen an wie weniger günstiges Fleisch und neue Verpackungsvorgaben.

