Die Bundesregierung will die Gebäudesanierung neu ordnen, doch die Länder stellen sich quer, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf t-online.de. Während die Politik um die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) ringt, schlägt der deutsche Mittelstand Alarm: Der dringend benötigte Aufschwung droht erneut zu kippen.
Mittelstand frustriert: Aufschwung bleibt aus
Die wirtschaftliche Lage kleiner und mittlerer Unternehmen bleibt angespannt. Der aktuelle Mittelstandsbarometer für November 2025 zeigt erneut eine Eintrübung – trotz der Regierungszusagen, die Wirtschaft im Frühjahr wieder in Fahrt zu bringen. Viele Betriebe fühlen sich übergangen, während große Industriekonzerne bevorzugt würden.
Zentrale Kritikpunkte der KMU:
- Fokus der Politik liege auf Auto-, Stahl- und Pharmaindustrie.
- Fehlende Planungssicherheit bei Energie- und Gebäuderegeln.
- Sorge vor dem Wegbrechen des Sanierungsmarkts.
EPBD: Chance für die Branche oder überzogener Kraftakt?
Die EU-Gebäuderichtlinie sollte eigentlich der Startschuss für eine umfassende Modernisierung des Gebäudebestands sein. Sie sieht unter anderem vor:
- Klimaneutraler Gebäudebestand bis 2045.
- Verbot neuer Gas- und Ölheizungen ab 2040.
- „Null-Emissions-Gebäude“ als Standard im Neubau ab 2030.
- Jährliche Sanierungsquote von 2 Prozent.
Viele Fachleute betrachteten die EPBD als dringend benötigten Impuls. „Für uns war diese Richtlinie ein Rettungsanker“, sagt Jan-Peter Hinrichs vom BuVEG.
Länder fordern Aufschub: Sorge vor Überlastung der Bürger
Die Chefs der Staatskanzleien einigten sich Anfang November darauf, die Umsetzung der EPBD um zwei Jahre zu verschieben. Begründung: Die Ziele seien zu ambitioniert und könnten Haushalte finanziell überfordern.
In der Baubranche stieß dieser Schritt auf deutliche Kritik.
Thomas Reimann, Bauunternehmer und Präsident der Bauverbände Hessen, mahnt:
„Ein kurzfristiger Aufschub schafft nur mehr Unsicherheit – und die ist das größte Risiko für unsere Branche.“
Branche warnt vor „Deindustrialisierung des Bauens“
Viele Unternehmen stecken bereits tief in der Krise. Kurzarbeit ist weit verbreitet, Aufträge bleiben aus, und Kündigungen nehmen zu.
Prägnantes Beispiel:
- Schüco Windows and Doors (Bielefeld): 280 Stellenabbau Ende November.
- 2000 Beschäftigte allein in Bielefeld, über 6000 weltweit.
Hinrichs spricht offen von einer Gefahr für die gesamte Wertschöpfung:
„Unsere Produkte – Dämmstoffe, Fenster, Türen – sind fast ausschließlich ‚Made in Germany‘. Wenn die Politik jetzt bremst, schneidet sie uns die Chance auf wirtschaftliche Erholung ab.“
Wie wichtig die Sanierungsbranche wirklich ist
Der Sektor trägt erheblich zur deutschen Volkswirtschaft bei:
- rund 1 Million Beschäftigte im Bauwesen;
- Sanierungen machten 2023 etwa 2,5 % des BIP aus;
- die gesamte Bauwirtschaft kam auf 5,4 %.
Um die Klimaziele zu erreichen, müsste die Sanierungsquote jährlich bei 2 Prozent liegen – tatsächlich lag sie 2024 nur bei 0,69 %. Gleichzeitig kann eine energetische Modernisierung den Wert einer Immobilie um bis zu 25 % steigern.
Klimapolitischer Gegenwind – ein globales Phänomen
Der Widerstand gegen die EPBD reiht sich ein in eine wachsende Skepsis gegenüber Klimaschutzmaßnahmen. In Deutschland etwa wird diskutiert über:
- die „Rücknahme“ des Gebäudeenergiegesetzes,
- eine Verschiebung des Emissionshandels ETS 2,
- eine mögliche Aufweichung des Verbrennerausstiegs ab 2035.
Wie es weitergeht
Das Bundeswirtschaftsministerium kündigt an, Anfang 2026 einen Gesetzesentwurf zur Umsetzung der EPBD vorzulegen, gekoppelt an die Reform des Gebäudeenergiegesetzes. Verzögert sich der Prozess weiter, geraten zentrale Klimaziele in Gefahr: Gebäude verursachen 30 bis 40 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.
Hinrichs bringt es auf den Punkt:
„Ohne eine klare Sanierungsstrategie steht die Zukunftsfähigkeit unseres Gebäudebestands auf dem Spiel.“
Während die Sanierungsdebatte weiter an Dynamik gewinnt, richtet sich der Blick vieler Verbraucher bereits auf neue digitale Angebote wie den Start von HBO Max am 13. Januar in Deutschland.

