Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf t-online. Sollte der Winter außergewöhnlich kalt ausfallen, könnte Deutschland schon Mitte Januar mit einem Versorgungsengpass konfrontiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Initiative Energien Speichern (INES) in einer aktuellen Analyse.
Niedrige Füllstände erhöhen das Risiko
Der aktuelle Speicherstand liegt bei rund 75 Prozent und damit deutlich unter den Werten früherer Jahre. Fachleute der INES betonen, dass Deutschland mit einem schwächeren Ausgangsniveau in die Heizperiode startet, obwohl technisch mehr Einspeicherung möglich gewesen wäre. Dadurch schrumpft die Sicherheitsreserve, die im Winter normalerweise Spitzenverbräuche abfedert.
In ihrem Bericht warnt die Initiative, dass eine eisige Winterperiode – vergleichbar mit dem Ausnahmejahr 2010 – die Speicher bereits bis Mitte Januar 2026 stark leeren könnte. Selbst konsequentes Energiesparen würde dann nicht ausreichen, um die steigende Nachfrage vollständig zu decken.
Warum der Winter 2025/26 besonders kritisch werden kann

Obwohl im Sommer kontinuierlich Gas eingespeichert wurde und Ende September ein Zwischenhoch erreicht war, blieben die Füllstände dennoch unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig hinkt Deutschland im europäischen Vergleich deutlich hinterher: Während andere Länder teils Rekordwerte verzeichneten, startete Deutschland mit weniger Reserven in die kalte Jahreszeit.
Drei Faktoren verschärften die Ausgangslage:
- Niedrigere Startfüllstände – die Speicher waren zum Herbstbeginn weniger gut gefüllt.
- Steigender Verbrauch im Herbst – der Gasbedarf wuchs schneller als erwartet.
- Langsamere Einspeicherung in der EU – auch europaweit blieb der Aufbau der Reserven hinter den Vorjahren zurück.
INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann betont, dass selbst zusätzliche LNG-Importkapazitäten eine sehr kalte Periode nicht vollständig abfedern können. Er verweist darauf, dass die Politik das im Koalitionsvertrag beschlossene Instrumentarium für höhere Speicherstände bislang nicht vollständig genutzt habe.
Drei Winterszenarien – und eines mit deutlichen Risiken
Die Analyse der INES berücksichtigt drei mögliche Witterungsverläufe:
- ein durchschnittlicher Winter wie 2016,
- ein milder Winter wie 2020,
- ein strenger Winter ähnlich 2010.
In den ersten beiden Szenarien lässt sich der gesetzlich vorgeschriebene Mindestfüllstand von 30 Prozent am 1. Februar 2026 problemlos erreichen. Im Kälteszenario hingegen würden die Speicher deutlich schneller leer laufen – so früh wie in keinem der vergangenen Jahre. Der mögliche Engpass Mitte Januar wäre damit realistisch.
Europa im Vergleich: große Unterschiede bei den Speicherständen
Mehrere Länder haben ihre Gasreserven deutlich stärker aufgefüllt als Deutschland:
- über 95 Prozent: Schweden, Polen, Rumänien
- über 90 Prozent: Frankreich, Belgien, Italien
Andere Staaten stehen hingegen ähnlich unter Druck wie Deutschland:
- Kroatien liegt bei nur 51 Prozent,
- Ungarn bei 68 Prozent,
- Dänemark bei 63 Prozent.
Diese Spreizung der Füllstände könnte bei länger anhaltender Kälte zusätzliche Spannungen im europäischen Versorgungssystem erzeugen.
Was die deutschen Behörden sagen
Die Bundesnetzagentur erklärte auf Anfrage, die EU-Zielwerte seien zum 1. November erreicht worden. Zudem habe sich die Struktur der Gasversorgung in den vergangenen Jahren grundlegend verändert: Deutschland bezieht heute Energie aus mehreren Quellen, darunter norwegische Pipelines und eine wachsende Zahl von LNG-Terminals.
Nach Einschätzung der Behörde senkt diese Diversifizierung das Risiko einer akuten Gaslücke deutlich. Dennoch appelliert die Bundesnetzagentur an Haushalte, ihren Verbrauch zu reduzieren, da private Nutzer im Winter einen großen Teil des Spitzenbedarfs verursachen.
Wie Haushalte ihren Gasverbrauch senken können
Schon kleine Veränderungen im Alltag helfen, Energie einzusparen und die Versorgung zu entlasten. Fachleute empfehlen unter anderem:
- der Einsatz von smarten Thermostaten,
- richtiges Stoßlüften sowie Abdichten von Fenstern und Türen,
- kürzeres Duschen und niedrigere Wassertemperaturen,
- eine etwas geringere Heiztemperatur in wenig genutzten Räumen.
Diese Maßnahmen reduzieren den Gasverbrauch spürbar, ohne den Wohnkomfort erheblich einzuschränken.
Vor diesem Hintergrund passt auch der Vorstoß der Grünen zum neuen Solarbonus, der auf dem Parteitag in Hannover vorgestellt wurde und im Sommer durch Solarüberschüsse niedrigere Netzgebühren ermöglichen soll.

