Ryanair verschärft den Ton gegenüber europäischen Regulierungsbehörden und droht damit, zahlreiche Routen in ganz Europa zu streichen, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf paddleyourownkanoo. Die Airline fordert niedrigere Flughafenentgelte und warnt, dass verschiedene Strecken sonst wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien.
Besonders große Aufmerksamkeit erhielt die am Donnerstag angekündigte Entscheidung, das Angebot auf den Azoren deutlich zu reduzieren. Zwar kann die Fluggesellschaft selbst bestimmen, wohin sie fliegt, doch der mögliche Rückzug aus einem so abgelegenen Inselgebiet löst heftige Diskussionen aus – gerade weil die Region stark auf stabile Flugverbindungen angewiesen ist.
Auslöser der Eskalation war die Entscheidung des portugiesischen Flughafenbetreibers ANA, die Gebühren für Airlines nicht zu senken. Daraufhin kündigte Ryanair an, sämtliche sechs Verbindungen zu den Azoren einzustellen – einem Archipel aus neun Inseln rund 1.500 Kilometer vom portugiesischen Festland entfernt. Diese Maßnahme könnte jährlich bis zu 400.000 Passagiere treffen und die Reisekosten deutlich erhöhen. Die Regierung in Lissabon hat nun Zeit bis zum 29. März 2026, bevor Ryanair alle Flüge vollständig einstellt.
Die Airline macht vor allem ANA verantwortlich, das dem französischen Vinci-Konzern gehört. Ryanair-Kommerzdirektor Jason McGuinness kritisierte, die „französische Flughafenmonopolistin“ treibe die Gebühren in die Höhe, um ihre eigenen Gewinne zu steigern – auf Kosten des portugiesischen Tourismus und vieler Arbeitsplätze. Laut Ryanair sind die Kosten für portugiesische Flughäfen seit Beginn der Pandemie um 35 Prozent gestiegen, zusätzlich zu der Tourismusabgabe von zwei Euro und den europäischen Umweltsteuern, die besonders Kurzstrecken belasten.

Sollte Ryanair seine Drohung umsetzen, stünden Verbindungen zwischen den Azoren und London, Brüssel, Lissabon und Porto vor dem Aus. Und diese Kürzungen sind nicht die einzigen: Auch in Österreich, Deutschland, Lettland und Spanien hat der Konzern bereits Flüge reduziert, weil die Betriebskosten steigen.
Insbesondere in Spanien kam es zuletzt zu einem offenen Schlagabtausch. Im September warf Ryanair dem Betreiber Aena vor, überhöhte Gebühren zu verlangen, und drohte, die Kapazitäten an regionalen Flughäfen um bis zu 41 Prozent zu reduzieren – insgesamt rund 1,2 Millionen Sitzplätze im kommenden Sommer. Aena-Chef Maurici Lucena hielt dagegen und erklärte, Ryanair versuche mit Drohungen und öffentlichem Druck Sonderbehandlungen zu erzwingen. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren Behörden in Deutschland, Frankreich, Belgien, Portugal, Italien, Griechenland, Österreich, den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien ähnlich unter Druck gesetzt.
Lucena betonte, Ryanair sorge sich keineswegs um das Wohl spanischer Bürger oder die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen. Die Airline verfolge ausschließlich finanzielle Interessen. Ryanair wiederum verweist auf Märkte, in denen sie durch niedrigere Gebühren oder besondere Anreize wächst. Deshalb baut die Airline derzeit ihre Kapazitäten in Marokko, Italien, Kroatien und Ungarn aus – dort fallen die Gebühren deutlich niedriger aus.
Derzeit spielt die Marktsituation Ryanair in die Hände. Wegen der massiven Lieferverzögerungen bei Boeing und Airbus bleiben die Flugkapazitäten in Europa begrenzt, weshalb Airlines sehr genau entscheiden müssen, wohin sie ihre Flotten einsetzen. Ryanair betont offen, dass das Wachstum künftig vor allem dort stattfinden wird, wo finanzielle Anreize bestehen. Die Airline geht davon aus, dass diese vorteilhafte Lage mindestens bis 2030 anhält – bis die gesamte Branche den Flugzeugmangel überwunden hat.
Gleichzeitig rückt auch in Deutschland das Thema Energiekosten in den Fokus, worauf der neue Solarbonus der Grünen beim Parteitag in Hannover aufmerksam macht.

