Die langjährige Auseinandersetzung um Glyphosat erhält neuen Schwung: Die US-Regierung hat sich klar auf die Seite von Bayer gestellt und damit die Chancen des Leverkusener Konzerns auf eine wegweisende Entscheidung deutlich erhöht, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf spiegel.de. Der Solicitor General empfahl dem Supreme Court, den Fall aufzunehmen – ein Schritt, der enorme Bedeutung für Milliardenklagen in den USA haben könnte.
Regierungssignal mit großer Marktwirkung
Bayer teilte mit, dass der Solicitor General das Gesuch unterstützt, den Streitfall vom Obersten Gerichtshof prüfen zu lassen. Der Supreme Court hatte zuvor bereits um eine Stellungnahme der Regierung gebeten, um die komplexe Rechtslage besser einschätzen zu können. Nun liegt eine klare Empfehlung vor, die den Weg für eine einheitliche Bewertung des Glyphosat-Streits ebnen könnte.
An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht sofort für Bewegung: Die Aktien von Bayer sprangen um fast 15 Prozent nach oben – der stärkste Tagesanstieg seit mehr als 22 Jahren. Analysten bewerten dies als Zeichen wachsender Zuversicht, dass der Konzern nach jahrelanger Unsicherheit endlich Aussicht auf eine grundlegende juristische Klärung hat.
Kern des Konflikts: Gesundheitsrisiken und der Streit zwischen Bundes- und Landesrecht
Die Klagewelle in den USA dreht sich um den Vorwurf möglicher Krebsrisiken durch Glyphosat und glyphosathaltige Produkte wie Roundup. Gleichzeitig hält die US-Umweltbehörde EPA fest, dass der Wirkstoff bei sachgerechter Anwendung als unbedenklich gilt und daher keine Warnhinweise auf dem Etikett vorgeschrieben sind.
Im Mittelpunkt steht ein zentrales juristisches Problem:
Darf einzelnes Landesrecht strengere Warnhinweise verlangen, obwohl das Bundesrecht dies nicht vorsieht?
Uneinheitliche Entscheidungen verschiedener Berufungsgerichte hatten zu weiterer Rechtsunsicherheit geführt – ein Zustand, den Bayer mit einer höchstrichterlichen Entscheidung beenden möchte.
Bayer setzt auf Vorrang des Bundesrechts
Konzernchef Bill Anderson betonte, dass die Unterstützung der US-Regierung einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung des Supreme Court haben werde. Eine falsche Auslegung des Bundesrechts gefährde nicht nur die Innovationsfähigkeit im Agrarsektor, sondern auch Investitionen in die US-Wirtschaft, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens.

Bayer sieht in einer Entscheidung aus Washington die Chance, endlich klare und einheitliche Regeln für den Verkauf von Herbiziden im gesamten Land zu schaffen – unabhängig von individuellen Vorgaben einzelner US-Bundesstaaten.
Parallelverfahren zu PCB: Vergleich mit dem Bundesstaat Illinois
Während der Glyphosat-Streit eine neue Wendung erfährt, konnte Bayer in einem weiteren Umweltverfahren eine Einigung erzielen. Monsanto, der 2018 übernommene US-Ableger des Konzerns, zahlt 120 Millionen US-Dollar an den Bundesstaat Illinois. Der Vergleich betrifft die jahrzehntealte Belastung von Wasserwegen und Deponien durch polychlorierte Biphenyle (PCB), die seit Langem verboten sind.
Generalstaatsanwalt Kwame Raoul erklärte, dass die Altlasten auch heute noch erhebliche Umweltschäden verursachten und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich machten.
Die schwere Hypothek des Monsanto-Kaufs
Die Übernahme von Monsanto für mehr als 60 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 hat Bayer bis heute mit juristischen Altlasten belastet. Nur wenige Monate nach dem Abschluss des Deals verlor der Konzern den ersten großen Glyphosat-Prozess – der Beginn einer gewaltigen Welle von Sammelklagen, die den Aktienkurs jahrelang belastete.

Aktuell liegt die Marktkapitalisierung des Konzerns bei rund 30 Milliarden Euro und damit weit unter dem Wert, den Bayer für Monsanto bezahlt hatte. Nach einem Tiefstand von etwas über 18 Euro im Frühjahr 2025 versuchen die Papiere sich langsam zu erholen – die jüngste Unterstützung aus Washington gibt dieser Entwicklung neuen Rückenwind.
Ausblick: Entscheidung mit Signalwirkung für die gesamte Agrarbranche
Die Empfehlung des Solicitor General ist noch kein endgültiger Richterspruch, doch sie kann entscheidend dafür sein, ob der Supreme Court den Fall annimmt. Eine höchstrichterliche Klärung hätte enorme Bedeutung – nicht nur für Bayer, sondern für alle Hersteller von Pflanzenschutzmitteln in den USA.
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob das Gericht den Streit auf die Agenda nimmt und damit den Weg für eine Entscheidung ebnet, die die Branche für Jahre prägen könnte.
Während der Glyphosat-Streit weiter für Schlagzeilen sorgt, rückt zugleich ein anderes globales Thema in den Fokus, nämlich der massive Airbus-A320-Rückruf mit weltweiten Flugstörungen.

