Der Schritt des Verbands der Familienunternehmer, erstmals Gespräche mit einzelnen AfD-Abgeordneten zuzulassen, sorgt in Berlin für heftige Reaktionen. Für politische Parteien und Wirtschaftsverbände kommt diese Annäherung überraschend – vor allem, weil der Verband noch vor wenigen Monaten eine vollkommen gegenteilige Position vertreten hatte, berichtet osteopathisch-leben.de.
Im April 2024 erklärte der Verband in einer Analyse mit dem Titel „Anti-Unternehmenspolitik der AfD“, die Partei stelle sich klar gegen die Interessen deutscher Familienbetriebe und schade dem Wirtschaftsstandort insgesamt. Jetzt vollzieht die Organisation einen deutlichen Kurswechsel – ein Vorgang, der in der Politik teils als irritierend, teils als gefährlich bewertet wird.
Vor diesem Hintergrund hat BILD das Wirtschaftsprogramm der AfD für die Bundestagswahl 2025 noch einmal detailliert untersucht. Die zentrale Frage: Wie wirtschaftsfreundlich ist die Partei tatsächlich – und welche Folgen hätten ihre Pläne für Deutschland?
Euro und EU: Wie radikal wären die Folgen eines Ausstiegs?
In ihrem Wahlprogramm fordert die AfD weiterhin, dass Deutschland die Eurozone verlässt. Parteichefin Alice Weidel hatte 2024 zusätzlich ein Referendum über den Verbleib in der EU – den sogenannten „Dexit“ – ins Gespräch gebracht, diese Forderung wurde jedoch nicht in das endgültige Programm aufgenommen.

Ökonomen warnen dennoch vor massiven Schäden. Matthias Diermeier vom IW Köln erklärte gegenüber BILD, ein EU-Austritt könne innerhalb von fünf Jahren einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5 bis 6 Prozentpunkte auslösen. Das entspräche einem Verlust von rund 700 Milliarden Euro und etwa 2,5 Millionen Arbeitsplätzen. Die wirtschaftlichen Folgen eines Ausstiegs aus der Eurozone seien darin noch nicht einmal eingerechnet.
Energiepolitik: Zurück zu Atom und Kohle
In der Energiewirtschaft setzt die AfD auf eine weitreichende Kehrtwende. Die Partei fordert, die beschädigten „Nord Stream“-Pipelines zu reparieren und wieder ans Netz anzuschließen. Zudem sollen alle abgeschalteten Atom- und Kohlekraftwerke reaktiviert werden.
Doch Fachleute widersprechen der Vorstellung eines schnellen Wiedereinstiegs. Diermeier betont, dass Genehmigung, Bau und Anbindung neuer Atomkraftwerke bis zu 20 Jahre dauern können. Der Bedarf an bezahlbarer Energie sei jedoch akut – Unternehmen bräuchten Entlastung jetzt, nicht erst in Jahrzehnten. Trotz dieser Widersprüche drängt die AfD auf dauerhaft niedrigere Strompreise.
Steuern und Rente: Teure Versprechen ohne klares Konzept
Besonders weitreichend sind die steuer- und sozialpolitischen Forderungen der AfD. Die Partei möchte das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent auf 70 Prozent anheben. Gleichzeitig plant sie milliardenschwere Steuersenkungen – vor allem für hohe Einkommen.
Diermeier rechnet vor, dass die vorgeschlagenen Entlastungen den Staatshaushalt jährlich 181 Milliarden Euro kosten würden. Zusammen mit dem stark erhöhten Rentenniveau könnten sich die Gesamtausgaben laut dem Ökonomen auf mehrere hundert Milliarden Euro pro Jahr summieren. Das Ergebnis wäre laut seiner Einschätzung eindeutig: ein Staat, der finanziell handlungsunfähig wird.
Auch Wirtschaftsexperte Brzeski warnt im Gespräch mit BILD: Keine andere Partei verspreche vor der Bundestagswahl derart umfassende Steuersenkungen – gleichzeitig bleibe die AfD jede belastbare Antwort zur Finanzierung schuldig.
Bürokratie: Weniger Vorgaben, kein CO₂-Preis
Beim Thema Bürokratieabbau stellt sich die AfD auf den ersten Blick in eine Reihe mit anderen Parteien: kleine und mittlere Unternehmen sowie die Landwirtschaft sollen weniger Dokumentations- und Berichtspflichten haben. Zusätzlich fordert die Partei die komplette Abschaffung aller CO₂-Abgaben – ein radikaler Schritt, der den deutschen Klimakurs massiv bremsen würde.
Wie angespannt das politische Umfeld derzeit ist, zeigt auch ein weiterer Fall – Neues Gerichtsverfahren zum Mord an Shinzo Abe: Was jetzt auf den Angeklagten zukommt.

