Die internationale Filmszene nimmt Abschied von einer ihrer einflussreichsten Persönlichkeiten. In Jerusalem ist der Produzent und Regisseur Arthur Cohn im Alter von 98 Jahren nach kurzer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf bild.de. Mit ihm endet eine Karriere, die das Autoren- und Dokumentarkino über Jahrzehnte geprägt hat.
Kino als Lebensaufgabe
Für Arthur Cohn war Film nie bloß ein Beruf, sondern Ausdruck einer Haltung. Seine Erfahrungen aus den Kriegsjahren hinterließen tiefe Spuren in seiner Arbeit und bestimmten Themenwahl wie Tonfall. Er erzählte von Erinnerung, Verantwortung und menschlicher Würde – ruhig, präzise und ohne falsches Pathos.

Kollegen beschrieben ihn als Produzenten mit außergewöhnlichem Gespür für Stoffe und Menschen. Er suchte nicht den schnellen Effekt, sondern nachhaltige Wirkung. Genau das machte viele seiner Projekte zeitlos und über Generationen hinweg relevant.
Zentrale Werke seiner Karriere
Arthur Cohn hinterließ ein umfangreiches filmisches Werk. Zu seinen bekanntesten Produktionen zählen:
- „Der Garten der Finzi Contini“ (1970) – ein Film, der international Maßstäbe setzte
- „Der Chor“ (2024) – sein spätes Werk, das seine kreative Klarheit bis ins hohe Alter zeigte
- Mehrere Projekte als Koproduzent des brasilianischen Regisseurs Walter Salles, mit denen Cohn auch das lateinamerikanische Kino weltweit stärkte
Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf dem Dokumentarfilm, den er als moralische Verpflichtung gegenüber der Realität verstand.
Sechs Oscars und weltweite Anerkennung

Arthur Cohn wurde insgesamt sechsmal mit dem Oscar ausgezeichnet. Prämiert wurden unter anderem die Dokumentarfilme:
- „Nur Himmel und Schlamm“ (1960)
- „Der amerikanische Traum“ (1990)
- „Ein Tag im September“ (1999) von Kevin Macdonald über die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972 in München
Drei weitere Oscars erhielt er als Produzent für den besten fremdsprachigen Film:
- „Der Garten der Finzi Contini“ – 1972
- „Sehnsucht nach Afrika“ – 1977
- „Gefährliche Züge“ – 1985
Diese Auszeichnungen machten ihn zu einer festen Größe des internationalen Kinos.
Förderer junger Talente
Cohn galt auch als Entdecker neuer Gesichter in Hollywood. Ein bekanntes Beispiel ist Kristen Stewart, der er 2008 in dem Drama „Das gelbe Segel“ eine zentrale Rolle anvertraute. Dies geschah noch vor ihrem weltweiten Durchbruch mit der „Twilight“-Reihe.
Sein Instinkt für Talente und seine Bereitschaft, Risiken einzugehen, öffneten vielen Schauspielerinnen und Schauspielern entscheidende Türen.
Engagement über den Film hinaus

2019 ehrte die Berliner Stiftung „Cinema for Peace“ Arthur Cohn für sein Lebenswerk. Neben dem Film engagierte er sich in zahlreichen humanitären Projekten und wirkte mehrfach als Vermittler in politischen Gesprächen rund um den Nahostkonflikt.
Für ihn gehörten Kultur, Verantwortung und Dialog untrennbar zusammen. Film verstand er als Mittel, Brücken zu bauen – nicht nur zwischen Nationen, sondern auch zwischen Menschen.
Abschied in Jerusalem
Wie die BILD berichtet, findet die Beisetzung von Arthur Cohn am Samstagabend in Jerusalem im engsten Kreis von Familie und Freunden statt. Die Zeremonie wird live übertragen, damit Weggefährten und Bewunderer weltweit Abschied nehmen können.
Arthur Cohn hinterlässt mehr als Preise und Filmtitel. Sein Vermächtnis ist eine Haltung zum Kino – ernsthaft, humanistisch und kompromisslos ehrlich.
Wer sich für weitere Todesfälle bekannter Filmschaffender interessiert findet hier alle aktuellen Informationen zum Tod von Heinrich Stadler und seinem letzten Drehtag bei „Dahoam is Dahoam“

