Der neue Wiener „Tatort“ verlässt vertraute Krimipfade und wagt einen Blick dorthin, wo Verdrängung, Verantwortung und menschliche Abgründe aufeinandertreffen. „Elektriker“ ist keine laute Folge, sondern eine dichte, beklemmende Kriminalgeschichte mit gesellschaftlicher Schärfe, berichtet osteopathisch-leben.de.
Ein Tod, der kein Unfall war
Schauplatz ist ein Wiener Pflegeheim. Nach einem Feueralarm und einem plötzlichen Stromausfall wird der Bewohner Daniel Filipovic tot in der Badewanne aufgefunden. Zunächst wirkt alles wie ein tragischer Unfall, doch rasch zeigen sich Zweifel.
Für Oberstleutnant Moritz Eisner und Majorin Bibi Fellner steht fest: Hinter dem Tod steckt ein Verbrechen.
Viele Verdächtige, wenig Auswege

Das Heim wird zum geschlossenen Mikrokosmos, in dem fast jeder etwas zu verbergen scheint. Die geschockte Tochter des Opfers (Gabriela Garcia-Vargas), ein vorbestrafter Pedikürist (Aleksandar Petrovic), misstrauische Mitbewohner und völlig überlastete Pflegekräfte geraten ins Visier der Ermittler.
Eisner und Fellner gehen der Sache ohne Effekthascherei nach und bleiben konsequent bei der zentralen Frage: Wer hatte ein Motiv – und warum gerade jetzt?
Wenn Erinnerungen gefährlich werden
Besonders stark sind die Rückblenden, die behutsam in die Handlung eingebaut sind. Sie zeigen frühere Lebensstationen, Verletzungen und verdrängte Erfahrungen, die bis in die Gegenwart wirken.
Der Film macht deutlich, dass alte Traumata nicht verschwinden, nur weil Menschen älter werden. Im Gegenteil: Manchmal holen sie einen genau dann ein, wenn man glaubt, alles hinter sich gelassen zu haben.
Kritik an einem überlasteten System
Ohne belehrend zu wirken, zeichnet „Elektriker“ ein klares Bild der Pflegewirklichkeit. Personalmangel, Zeitdruck und emotionale Erschöpfung prägen den Alltag.
Der Tod eines Bewohners wird damit auch zum stillen Anklagepunkt gegen ein System, das viel Verantwortung trägt, aber zu wenig Mittel bekommt, um ihr gerecht zu werden.
Eisners persönliche Konfrontation

Für Moritz Eisner ist dieser Fall mehr als Routine. Er begegnet seiner früheren großen Liebe Sandra, gespielt von Martina Spitzer. Die einst selbstbewusste Frau lebt nun im Pflegeheim und sitzt im Rollstuhl.
Diese Begegnung trifft Eisner unerwartet hart und konfrontiert ihn mit der eigenen Verletzlichkeit, mit Angst vor dem Altern und dem Verlust von Kontrolle.
Ein starkes Ensemble, ein leiser Abschied
Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser zeigen erneut, warum ihr Ermittlerduo zu den stärksten des „Tatort“-Universums zählt. Zwischen Eisner und Fellner herrscht eine spürbare Nähe, getragen von Vertrauen, Erfahrung und feinem Humor.
Auch die Nebenrollen überzeugen, darunter Michael Edlinger als überforderter Pfleger sowie Elfriede Schüsselheder und Johannes Silberschneider als eng verbundenes Bewohnerpaar. Gleichzeitig schwingt ein Abschied mit: Viel gemeinsame Zeit bleibt diesem Duo nicht mehr.
Mehr als ein klassischer Krimi
„Tatort: Elektriker“ bleibt im Kopf, weil er mehr fragt, als er beantwortet. Wie gehen wir mit Schuld um? Was passiert mit unverarbeiteten Erinnerungen? Und wer trägt Verantwortung, wenn Systeme versagen?
Diese Folge verbindet Spannung mit Tiefe und gehört zu den stillen, aber eindringlichen Highlights der Reihe.
Zu sehen am 14. Dezember 2025 um 20:15 Uhr im Ersten (ARD).
Auch abseits des Krimis sorgt das Fernsehprogramm für Gesprächsstoff wie aktuell bei „Let’s Dance“, wo Marie Mouroum mit ersten Babybauch-Fotos ihre Schwangerschaft öffentlich gemacht hat.

