In der Ukraine verschlechtert sich die Lage der Energieversorgung rasant: Massive russische Angriffe zerstören zunehmend die kritische Infrastruktur, und lange Stromabschaltungen werden für Millionen Menschen zum Alltag, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf t-online.de. Trotz diplomatischer Gespräche über eine mögliche Friedenslösung lassen die Kämpfe und der gezielte Druck auf das Energiesystem nicht nach.
Die ukrainische Gesellschaft tritt bereits in den dritten Kriegswinter ein, in dem sich der Energiesektor zu einer der zentralen Frontlinien entwickelt hat. Armee und zivile Dienste bereiten sich gleichzeitig auf die kalte Jahreszeit vor, während Russland die kritische Energieinfrastruktur erneut zu einem Hauptziel macht. Diese Angriffe haben unmittelbare und schwere Folgen für die Bevölkerung, denn von ihrer Intensität hängt die Stabilität der Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser ab.

In mehreren Regionen des Landes erreichten die täglichen Stromausfälle inzwischen Rekordwerte. Am gravierendsten ist die Situation im Gebiet Poltawa, wo die Menschen im Durchschnitt mehr als 13 Stunden pro Tag ohne Strom auskommen müssen. Selbst die Hauptstadt Kiew, die normalerweise einen erhöhten Schutzgrad besitzt, hatte zwischen dem 10. und 16. November fast acht Stunden täglicher Abschaltungen zu verzeichnen.
Weitere Regionen nahe der Frontlinie erleben noch längere Unterbrechungen. Im Gebiet Charkiw lag die durchschnittliche Dauer der Ausfälle bei 11,6 Stunden pro Tag, in Dnipropetrowsk bei 11,2, in Odessa bei 11 und in Mykolajiw bei 10,1 Stunden. Gleichzeitig bleiben eine Reihe kritischer Einrichtungen von Abschaltungen ausgenommen: Krankenhäuser, Rüstungsbetriebe, wichtige Bahnknotenpunkte, Telekommunikationsnetze, Regierungsgebäude sowie Polizei- und Rettungsdienste.
Deutlicher Anstieg der Stromabschaltungen
Der Vergleich zweier Zeiträume — vom 27. Oktober bis 2. November und vom 10. bis 16. November — zeigt eine dramatische Verschlechterung. Zu Beginn lagen die täglichen Ausfälle in Poltawa und Kiew bei rund drei Stunden, doch zwei Wochen später war dieser Wert um ein Mehrfaches gestiegen. Ursache war eine neue Welle massiver russischer Angriffe, die gezielt Kraftwerke und Hochspannungsnetze traf.

Im Verlauf von fast vier Kriegsjahren verlagerte Russland den Schwerpunkt seiner Attacken immer weiter: Im ersten Kriegswinter standen vor allem Hochspannungsleitungen im Fokus, ab März 2024 rückten dann zunehmend Kraftwerke ins Visier, deren Reparatur wesentlich aufwendiger und teurer ist. Seit Februar 2025 nimmt die Zahl der Angriffe auf die Gasförderung, kombinierte Heiz- und Kraftwerke sowie lokale Stromnetze ebenfalls zu.
Das Energiesystem hat einen Großteil seiner Kapazität verloren
Das Ausmaß der Schäden ist enorm. Nach einzelnen Einschätzungen waren zeitweise rund 60 Prozent der ukrainischen Gasförderkapazitäten außer Betrieb, weshalb das Land nun höhere Gasimporte plant. Auch in der Stromerzeugung ist die Lage kritisch: Die verfügbare Leistung fossiler und nuklearer Kraftwerke sank von etwa 40 Gigawatt auf rund 10 Gigawatt. Einige Anlagen wurden besetzt, andere schwer beschädigt oder vollständig zerstört.

Hinzu kommt, dass russische Truppen häufig während laufender Reparaturen erneut zuschlagen, was die Wiederherstellung erheblich verzögert. Oleksij Povolotskyj, Leiter der Infrastrukturwiederherstellung beim Energieversorger DTEK, beschrieb die Situation gegenüber dem Kyiv Independent mit einer treffenden Metapher: „Es ist, als würde man putzen, während der Wasserhahn weiterläuft.“
Die Ukraine greift zunehmend russische Energieanlagen an
Parallel dazu intensiviert die Ukraine ihre Angriffe auf den russischen Energie- und Kraftstoffsektor. Während zu Beginn nur vereinzelte Raffinerien im Umkreis von etwa 400 Kilometern getroffen wurden, reichen die Drohnenangriffe inzwischen tief ins Landesinnere — teils bis in über 2.000 Kilometer entfernte Regionen.
Mehr als die Hälfte der 38 wichtigsten russischen Raffinerien wurde bereits beschädigt. Die Folgen zeigen sich unmittelbar in der Produktion: Verarbeitete Russland im Juli noch etwa 5,4 Millionen Barrel Öl pro Tag, waren es im September nur noch rund fünf Millionen. Das schlägt sich deutlich in der Wirtschaft der Angreiferstaat nieder — im September verzeichnete Russland den niedrigsten Öl- und Gasabsatz seit Beginn des großangelegten Angriffs.
Während sich die Energiekrise weiter zuspitzt, sorgt ein politischer Umbruch für zusätzliche Spannungen, denn Andrij Jermak tritt nach einer Durchsuchung zurück und wirft Fragen zu den Ermittlungen und seiner möglichen Nachfolge auf.

