Ein australisches Start-up, das mit sogenannten KI-Companion-Bots warb, steht nach einer journalistischen Recherche massiv in der Kritik, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf futurism.com. Nutzer glaubten, mit künstlicher Intelligenz zu chatten – tatsächlich schrieben ihnen echte Menschen, überwiegend Männer aus Afrika, vor allem aus Kenia.
Das Unternehmen vermarktete sein Produkt als technologischen Durchbruch: virtuelle Begleiterinnen, die flirten, zuhören und emotionale Nähe aufbauen. Hinter den Kulissen sah die Realität deutlich anders aus.
„Ich dachte, es sei einfach ein Online-Job“
Ein kenianischer Mitarbeiter erzählte Journalisten, dass er die Arbeit zunächst als gewöhnlichen Nebenjob betrachtete. Texte schreiben, chatten, Geld verdienen. Erst nach kurzer Zeit wurde klar, worum es wirklich ging.
Die Schichten dauerten teils mehrere Tage. Gleichzeitig mussten drei bis fünf Chats parallel geführt werden. Erwartet wurde aktives Flirten, das Aufbauen von Nähe, intime Gespräche – alles mit einem Ziel: Die Nutzer sollten ihre kostenpflichtigen Abos nicht kündigen.
Was nach Routine klang, wurde schnell zu einer emotional extrem belastenden Arbeit.
Fünf Cent pro Nachricht, kaum Pausen

Bezahlt wurde pro Nachricht – rund 0,05 US-Dollar. Gleichzeitig galt ein strenger Leistungsdruck: mindestens 40 Wörter pro Minute, durchgehend aktiv, keine längeren Pausen. Vor allem aber durften die Operatoren niemals offenlegen, dass sie echte Menschen sind.
Viele berichten, dass sie stundenlang mit fremden Problemen konfrontiert waren: Beziehungsdramen, Untreue, Einsamkeit, sexuelle Fantasien. Antworten mussten immer verständnisvoll, zugewandt und „perfekt“ wirken – so, wie man es von einer KI erwartete.
Psychische Belastung spielte in den Vorgaben keine Rolle.
Scham und ein Leben mit Lügen
Über die Arbeit wurde oft geschwiegen. Der kenianische Mitarbeiter sagte, er habe seiner Familie erzählt, er arbeite im IT-Bereich und betreue Server.
In Wirklichkeit verbrachte er Nächte damit, intime Nachrichten an Fremde zu schreiben – im selben Raum, in dem seine Familie schlief. Er beschreibt das als eine der schwierigsten Seiten der Arbeit: die ständige Scham und das Gefühl, ein Doppelleben zu führen.
Die unsichtbare Arbeit hinter der KI
Der Fall ist kein Einzelfall. Menschenrechtsorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass ein großer Teil der sogenannten KI-Industrie auf schlecht bezahlter menschlicher Arbeit basiert – vor allem in Afrika und Asien.
Content-Moderation, Datentraining, Kundenkommunikation und nun auch emotionale „Beziehungen“ werden ausgelagert, während Unternehmen im Westen von vollautomatisierten Systemen sprechen.
Der Skandal um die Companion-Bots wirft erneut eine einfache Frage auf: Wo endet künstliche Intelligenz – und wo beginnt die Ausbeutung realer Menschen, verborgen hinter einem technologischen Versprechen?
Auch abseits der KI-Debatte sorgen neue digitale Projekte für Aufmerksamkeit, darunter das angekündigte Bond-Videospiel „007: Erstes Licht“ mit Lenny Kravitz als Bösewicht.

