Das unerwartete Auftauchen eines 28-Punkte-„Friedensplans“, den US-Medien mit der Administration von Donald Trump in Verbindung bringen, hat eine scharfe Reaktion unter den Ukraine-Unterstützern im US-Kongress ausgelöst, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf The Hill. Politiker und Experten sehen in den Vorschlägen das Risiko weitreichender Zugeständnisse an den Kreml sowie die Gefahr einer Wiederholung historischer Fehler des 20. Jahrhunderts.
Reaktion des Kongresses: Ein Plan, von dem man aus den Medien erfuhr
Die Berichte über das Dokument haben die pro-ukrainischen Abgeordneten in den USA überrascht. Die meisten Senatoren und Kongressmitglieder erfuhren nicht über offizielle Kanäle, sondern durch Berichte von Axios und der Financial Times über den Inhalt der 28 Punkte.
Der republikanische Senator Lindsey Graham, einer der bekanntesten Unterstützer Kyjiws in Washington, räumte ein, zuvor nichts von dem Plan gehört zu haben. Er betonte, dass jede Friedensinitiative auf starken US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine und Mechanismen basieren müsse, die die Fähigkeit des Kremls zur Kriegsfinanzierung einschränken. Laut Graham kann nur eine harte Strategie Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zwingen – ohne Ultimaten.

Auch die Senatoren Mike Rounds und Pete Ricketts, die sich mit Außenpolitik und europäischer Sicherheit befassen, bestätigten, dass sie keine offizielle Version des Dokuments gesehen hätten. Dies verstärkte lediglich den Verdacht, dass die Gespräche hinter verschlossenen Türen stattfinden.
„München 1938“: Historische Parallelen und Vorwürfe des Drucks auf die Ukraine
Eine der lautesten Reaktionen kam vom republikanischen Kongressabgeordneten Don Bacon, der mögliche US-Gespräche mit Russland – ohne Beteiligung Kyjiws – mit dem Münchner Abkommen von 1938 verglich.

Seiner Ansicht nach wiederholen jegliche Vereinbarungen, die Zugeständnisse an den Aggressor vorsehen, die Fehler der Appeasement-Politik, die Hitler einst zum Beginn des Zweiten Weltkriegs ermutigte. Bacon betonte, dass die Ukraine nicht von Gesprächen ausgeschlossen werden dürfe, wenn ihre Existenz auf dem Spiel steht.
Warum die Ukraine die Punkte des Plans ablehnt
Laut US-Medien widersprechen die meisten der 28 Punkte der Position Kyjiws.
Die Ukraine ist bereit, ein Waffenstillstandsregime entlang der bestehenden Frontlinien zu prüfen, lehnt jedoch jegliche territorialen Zugeständnisse kategorisch ab. Nach Ansicht ukrainischer Diplomaten würde die Übergabe der besetzten Gebiete an Russland keinen Frieden bringen, sondern Moskau lediglich neue Möglichkeiten für künftige Offensiven eröffnen.
Unterdessen hofft Moskau laut The Hill, zwei Faktoren gleichzeitig auszunutzen: taktische Erfolge an der Front und einen Korruptionsskandal im Energiesektor, um die Verhandlungspositionen von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu schwächen.
Russische Angriffe verstärken das Misstrauen gegenüber dem Plan
Vor dem Hintergrund der Diskussionen erfolgte ein weiterer brutaler Angriff auf Ternopil, bei dem mehrere Dutzend Zivilisten, darunter Kinder, getötet wurden. Dies machte Gespräche über „Zugeständnisse“ noch sensibler.
Olena Halushka, Mitbegründerin des Internationalen Zentrums für den Ukrainischen Sieg, bezeichnete das Dokument als „Kapitulationsplan“, der keinen Druck auf Moskau vorsieht, aber Forderungen an die Ukraine stellt, die der Sicherheitslogik widersprechen. Sie betonte, dass Friedensinitiativen nicht diskutiert werden können, während russische Raketen täglich das Leben von Zivilisten fordern.
Position US-amerikanischer NGOs: Frieden ist nur mit Stärke möglich

Der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Razom, Mykola Murskyj, erklärte, dass ein dauerhafter Frieden nur möglich sei, wenn die ukrainische Armee stark bleibt und Garantien geschaffen werden, die den Kreml daran hindern, den Krieg erneut zu entfachen.
Er betonte, dass die amerikanische Öffentlichkeit von Russland keine Worte, sondern konkrete Schritte erwarte – Waffenruhe, Freilassung aller Gefangenen und Rückführung der Zehntausenden entführten ukrainischen Kinder. „Nichts über die Ukraine darf ohne die Ukraine entschieden werden“, sagte er.
Was Graham plant: Sanktionen gegen die „Kreml-Geldbörsen“
Vor dem Hintergrund der Kritik versucht Senator Lindsey Graham, die Aufmerksamkeit rund um den Plan zu nutzen, um sein eigenes parteiübergreifendes Gesetzesprojekt voranzutreiben. Die Initiative richtet sich gegen Staaten und Unternehmen, die mit Russland Geschäfte machen und dessen Kriegsbudget auffüllen.
Graham ist überzeugt, dass keine Initiative zur Konfliktlösung greifen wird, solange Putin und seine Verbündeten nicht von der Entschlossenheit Washingtons überzeugt sind – von der Erhöhung der militärischen Unterstützung für die Ukraine bis hin zum wirtschaftlichen Druck auf Länder, die Russlands Armee unterstützen. Erst dann, so Graham, könne ein 28-Punkte-Plan eine Chance haben.
Auf das wachsende Misstrauen gegenüber neuen Verhandlungsinitiativen weist auch ein weiterer Bericht hin, in dem Rheinmetall nach Meldungen über separate US-Gespräche mit Kiew und Moskau deutlich unter Druck geriet.

