Die frühere Film- und Fernsehikone Ingrid van Bergen ist im Alter von 94 Jahren in Eyendorf (Niedersachsen) friedlich im Schlaf gestorben. Ein enger Freund bestätigte die Nachricht gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die „Bild“ hatte zuvor darüber berichtet. „Wir sind unendlich traurig“, sagte ihr Freund und beschrieb die letzten Stunden der Schauspielerin als ruhig und sanft, berichtet osteopathisch-leben.de.
Ingrid van Bergen gehörte zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen der 1950er- und 1960er-Jahre. Ihr markanter, rauchiger Tonfall sowie ihre Rollen in Filmen wie „Des Teufels General“, „Rosen für den Staatsanwalt“ und zahlreichen Edgar-Wallace-Verfilmungen machten sie zu einer der prägenden Persönlichkeiten des Nachkriegskinos. Ihre Figuren – starke, verletzliche oder gesellschaftlich angeeckte Frauen – wurden zu ihrem Markenzeichen und prägten das Bild einer ganzen Schauspielgeneration.
Kindheit, Flucht und der Weg zur Bühne
Van Bergen wurde 1931 in Danzig geboren. Kurz vor Kriegsende floh sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern vor den vorrückenden sowjetischen Truppen – eine Erfahrung, die sie tief prägte. Nach dem Schulabschluss arbeitete sie zunächst als Tänzerin auf der Hamburger Reeperbahn, später als Büroangestellte und Fabrikarbeiterin. Doch 1953 kehrte die Leidenschaft ihrer Kindheit zurück: die Schauspielerei.

Über Kabarett und Theater fand sie ihren Weg zum Film. Im Laufe ihrer Karriere wirkte sie in rund 200 Kino- und TV-Produktionen mit. Besonders in den Rollen von lebensklugen, manchmal gebrochenen, manchmal provokanten Frauen fand sie ihr künstlerisches Zuhause. Ihren größten Erfolg feierte sie 1959 mit der Rolle der Pensionswirtin Lissy Flemming in der Nachkriegssatire „Rosen für den Staatsanwalt“.
Der Skandal von 1977: Bruch in ihrer Karriere
1977 geriet das Leben der Schauspielerin in den Mittelpunkt eines der aufsehenerregendsten Prozesse der damaligen Zeit. Van Bergen erschoss ihren damaligen Lebensgefährten, den Finanzmakler Klaus Knath. Der Prozess sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Das Gericht stellte fest, dass sie zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert und emotional überfordert war. Sie wurde deshalb wegen fahrlässiger Tötung bei eingeschränkter Schuldfähigkeit zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Diese Verurteilung brach ihre bis dahin äußerst erfolgreiche Karriere abrupt ab. Nach ihrer Entlassung blieb ihr der frühere Ruhm verwehrt. Sie erhielt zwar weiterhin Rollen, jedoch fast ausschließlich kleinere Parts in Krimiserien und Familienformaten.
Comeback im Fernsehen – und die Krönung im Dschungelcamp
Trotz allem verschwand van Bergen nie vollständig aus der Öffentlichkeit. Sie engagierte sich für den Tierschutz, veröffentlichte ihre Autobiografie und kehrte schrittweise ins Fernsehen zurück. 2007 war sie in der Edgar-Wallace-Parodie „Neues vom Wixxer“ zu sehen.

2009 folgte ein überraschendes Comeback: Mit 77 Jahren nahm sie an der RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ teil – und gewann. Das Publikum kürte sie zur Dschungelkönigin und gab ihr damit einen späten Triumph, der sie einer neuen Zuschauergeneration näherbrachte.
Letzte Jahre
In den vergangenen Jahren wurde es ruhiger um Ingrid van Bergen. Doch ihr Name blieb untrennbar mit einer Epoche des deutschen Films verbunden. Ihre Stärke, ihre Brüche und ihr unverwechselbarer Stil machten sie zu einer Persönlichkeit, die weit über ihre Rollen hinauswirkte.
Während sich die Anteilnahme am Tod von Ingrid van Bergen verbreitet, sorgt in der deutschen Kulturszene ein weiterer Vorfall für Schlagzeilen – Ralph Siegel muss sich vor Gericht wegen eines Streits um über 100.000 Euro nach dem Musical-Flop „N bisschen Frieden“ verantworten.

