Die Grünen wollen auf ihrem Parteitag in zwei Wochen ein neues Konzept vorstellen: den „Solarbonus“. Damit sollen Verbraucher die Vorteile der Energiewende schneller spüren und gleichzeitig die Stromnetze entlastet werden.
Im Sommer zeigt sich das Problem besonders deutlich: An langen, sonnigen Tagen speisen rund vier Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland kontinuierlich große Mengen Solarstrom ins Netz, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf t-online. Die Erzeugung übersteigt in diesen Stunden regelmäßig die Nachfrage, wodurch das Stromsystem stark belastet wird. Überschüsse müssen über weite Strecken verteilt oder ins Ausland exportiert werden, was teure Hochspannungsleitungen beansprucht und die Netzentgelte weiter in die Höhe treibt.
Um diese Belastung zu verringern und die Energiewende für Bürger unmittelbar erlebbar zu machen, schlagen die Grünen den „Solarbonus“ vor. Nach Informationen des Tagesspiegel sollen Verbraucher im Sommer zu bestimmten Zeiten kein Netzentgelt zahlen. Da dieser Anteil etwa 30 Prozent des gesamten Strompreises ausmacht, würde der Strom zur Mittagszeit deutlich günstiger werden als am Morgen oder Abend – faktisch handelt es sich um nahezu kostenlosen Solarstrom in den Sonnenstunden.

Die Idee stammt von Simon Müller, dem früheren Direktor des Thinktanks Agora Energiewende. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel erklärte Müller, dass kostenloser Strom am Mittag Verbraucher motivieren würde, ihren Verbrauch in diese Stunden zu verlagern, wenn besonders viel erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Gleichzeitig könnte dies das Laden von Batteriespeichern fördern und so die abendlichen Spitzenlasten im Netz verringern. Zudem ließe sich der Effekt durch einen „Boost-Tarif“ für Betreiber privater Solaranlagen verstärken, der eine zusätzliche Vergütung für eingespeisten Abendstrom vorsieht.
Dieses Modell ähnelt den dynamischen Stromtarifen, die alle Energieversorger in Deutschland verpflichtend anbieten müssen. Bei solchen Tarifen sinkt der Preis bei hoher Produktion aus erneuerbaren Energien und steigt, wenn fossile Energieträger wie Gas teurer werden oder die Nachfrage besonders hoch ist. Dennoch nutzen bisher nur wenige Haushalte solche flexiblen Tarife, da dafür ein intelligenter Stromzähler erforderlich ist – ein Smart Meter, den derzeit lediglich rund drei Prozent aller deutschen Haushalte besitzen.
Zwar sollen Smart Meter schrittweise in allen Haushalten installiert werden, und Verbraucher können sie bereits freiwillig beim Netzbetreiber anfordern, doch die Umsetzung verläuft langsam. Mit dem „Solarbonus“ wollen die Grünen die Beteiligung der Bevölkerung an der Energiewende stärken und gleichzeitig die Akzeptanz dynamischer Stromtarife erhöhen. Die endgültige Entscheidung über das Konzept soll Ende November auf dem Parteitag der Grünen in Hannover fallen.
Ein ähnlicher Schritt zur Stärkung der Energiewende zeigt sich auch im neuen Beschluss des Bundestags vom 15. November über aktualisierte Regeln für Batteriespeicher, der zusätzliche Entlastung für Haushalte bringt.

