Die vorweihnachtliche Ansprache von Donald Trump war mehr als ein Jahresrückblick, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf stern.de. Vor festlicher Kulisse setzte der US-Präsident politische Akzente, lobte sich selbst und wich zugleich heiklen Themen aus, die seine Präsidentschaft derzeit belasten.
In wenigen Wochen endet das erste Jahr von Donald Trumps zweiter Amtszeit. Der Präsident nutzte diesen Zeitpunkt für eine Fernsehansprache an die Nation. In den USA greifen Präsidenten zu diesem Format meist dann, wenn sie ihre Linie erklären oder politische Weichen stellen wollen. Joe Biden hatte eine solche Rede zuvor genutzt, um seinen Rückzug aus dem Präsidentschaftswahlkampf zu begründen.
Selbstbewertung unter dem Druck steigender Preise
Trump entschied sich für eine öffentliche Bilanz seiner bisherigen Amtszeit. Innenpolitisch steht er vor allem wegen der wirtschaftlichen Lage unter Druck. Viele Amerikaner klagen über hohe Preise im Alltag, insbesondere in Supermärkten. Der Präsident reagiert darauf, indem er den Demokraten vorwirft, das Thema gezielt politisch auszuschlachten.
“Tonight, after 11 months, our border is secure, inflation is stopped, wages are up, prices are down, our nation is strong, America is respected, and OUR COUNTRY IS BACK.
— The White House (@WhiteHouse) December 18, 2025
We are poised for an economic boom the likes of which the world has never seen.” – President Donald J. Trump pic.twitter.com/EWfEfc734u
Ein düsteres Bild der Vergangenheit mit klarer Schuldzuweisung
In seiner knapp zwanzigminütigen Rede zeichnete Trump das Bild eines Landes, das vor einem Jahr am Boden gelegen habe. Er sprach von Millionen krimineller Migranten, einer geschwächten Gesellschaft und außer Kontrolle geratener Inflation. Die Verantwortung dafür schob er konsequent der früheren Regierung von Joe Biden zu.
Wirtschaftspolitik als zentrales Verteidigungsfeld
Einen großen Teil der Rede widmete Trump der Verteidigung seiner Wirtschaftspolitik. Er betonte mehrfach, die Lage verbessere sich spürbar und die Bürger würden dies bald im eigenen Geldbeutel merken. Nach seinen Worten steigen die Löhne deutlich schneller als die Inflation, was er als zentrales Argument für seinen Kurs präsentierte.
Ein symbolisches Versprechen an die Streitkräfte

Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Präsident den US-Streitkräften. Trump kündigte eine Einmalzahlung von 1776 Dollar für rund 1,5 Millionen Soldatinnen und Soldaten an. Die Summe verweist bewusst auf das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und sollte den patriotischen Charakter der Maßnahme unterstreichen.
Ein Thema blieb in der Ansprache vollständig unerwähnt: der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das fiel umso stärker auf, da in Europa in derselben Woche zahlreiche hochrangige politische Treffen stattfanden. Das Schweigen des Präsidenten sorgte nach der Rede für Diskussionen.
Venezuela und Sanktionen nur am Rande
Auch Venezuela fand keine namentliche Erwähnung. Dabei hatte Trump kurz zuvor den Druck auf den autoritären Präsidenten Nicolás Maduro deutlich erhöht und die Blockade sanktionierter Öltanker vor der Küste angeordnet. In der Rede sprach er lediglich allgemein über den Kampf gegen Drogenschmuggel auf See, ohne konkrete Länder zu nennen.
Zwischenwahlen rücken näher und verschärfen den Druck
In einem Jahr stehen in den USA die Zwischenwahlen an, die für amtierende Regierungen oft schwierig verlaufen. Fragen der Lebenshaltungskosten spielen dabei eine zentrale Rolle. Obwohl Trump lange als wirtschaftlich kompetent galt, zeigen aktuelle Umfragen eine sinkende Zustimmung gerade in diesem Bereich.
Während der Fernsehübertragung wurden mehrere Diagramme eingeblendet. Sie zeigten unter anderem Preisentwicklungen bei Benzin, Eiscreme und Frühstückswürstchen. Der visuelle Ansatz sollte Nähe zum Alltag schaffen, machte aber zugleich deutlich, wie sensibel das Thema Inflation für viele Wähler geworden ist.
Der Fall Epstein bleibt ein politisches Risiko

Zusätzlichen Druck erzeugt weiterhin der Skandal um Jeffrey Epstein, der 2019 starb und wegen schwerer Sexualverbrechen verurteilt worden war. Trump war mit Epstein bekannt, wie gemeinsame Fotos belegen. Beweise für eine Verwicklung des Präsidenten gibt es nicht, dennoch bleibt der Fall politisch belastend.
Veröffentlichung von Akten erst nach massivem Druck
Erst nach starkem Druck aus dem US-Kongress unterzeichnete Trump ein Gesetz zur Veröffentlichung von Ermittlungsakten in Fällen schweren Kindesmissbrauchs. Die Unterlagen, in denen zahlreiche minderjährige Opfer eine Rolle spielen sollen, müssen bis zum 19. Dezember öffentlich gemacht werden. Der Termin wird aufmerksam verfolgt.
Bröckelnde Loyalität im eigenen Lager
Während des Wahlkampfs hatte Trump selbst Transparenz gefordert, zeigte nach Amtsantritt jedoch Widerstand. Die Affäre verdeutlichte, dass seine Unterstützung selbst innerhalb der Republikaner nicht uneingeschränkt ist. Sogar im Umfeld der Bewegung „Make America Great Again“ sind erste Risse sichtbar geworden.
Auch global verschieben sich Machtverhältnisse, wie ein aktueller ASPI-Bericht zur Dominanz Chinas in Schlüsseltechnologien zeigt.

