BMW hat erneut eine Welle von Diskussionen in der Welt der Autowerkstätten ausgelöst, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf carbuzz.com. Grund dafür ist ein neues Patent, das das Leben unabhängiger Mechaniker und von Autobesitzern, die ihre Fahrzeuge nicht ausschließlich in Vertragswerkstätten reparieren lassen, deutlich erschweren könnte.
Deutsche Vorliebe für unkonventionelle Lösungen
Europäische Automobilhersteller sind seit Langem für ihren speziellen Ansatz bei Befestigungselementen bekannt. Wer mit Fahrzeugen der VW Group, von Mercedes-Benz oder BMW arbeitet, muss fast zwangsläufig zu Spezialwerkzeugen greifen. Dreifach-Vielzahn, verschiedene Torx-Varianten inklusive E-Torx gehören längst zum Alltag von Mechanikern.
Hinzu kommen große Schraubenschlüssel und spezielle Nüsse, ohne die selbst grundlegende Arbeiten wie der Wechsel des Ölfilters kaum möglich sind. Dennoch wirkt das neue BMW-Patent wie ein Schritt weit über die üblichen konstruktiven Herausforderungen hinaus.

Eine Schraube, die sich nicht mit Standardwerkzeug lösen lässt
Die Journalisten von CarBuzz machten auf ein BMW-Patent aufmerksam, das einer neuen Schraubenform gewidmet ist. Ihr Kopf ist in Form des runden Markenlogos gestaltet, für das herkömmliche Werkzeuge schlicht nicht geeignet sind. Diese Lösung hat bereits heftige Reaktionen unter Mechanikern ausgelöst, die mit deutschen Fahrzeugen arbeiten.
Formal handelt es sich um eine Variante des Innensechskants. Anstelle der üblichen Kanten kommt jedoch eine runde Form mit vier Segmenten zum Einsatz, von denen nur zwei vertieft sind und Kontakt mit dem Werkzeug haben. Die übrigen bleiben bündig, was den Einsatz fremder Aufsätze stark einschränkt.

Das Logo als Teil der Mechanik
Besondere Aufmerksamkeit gilt einem Detail, das technisch keinen wirklichen Nutzen hat, aber viel über den Ansatz des Unternehmens aussagt. Am Rand des Schraubenkopfes ist das BMW-Logo eingeprägt. Es ist eine Art Signatur der Ingenieure und zugleich ein Hinweis darauf, wer den Zugang zu diesem Bauteil kontrolliert.
Durch diese Geometrie wird die Kontaktfläche zwischen Werkzeug und Schraube verkleinert. An Stellen, an denen ein höheres Drehmoment erforderlich ist, steigt damit das Risiko, dass das Werkzeug abrutscht oder das Befestigungselement beschädigt wird. Für freie Werkstätten bedeutet das zusätzliche Risiken und Zeitverluste.

Die Idee ist einfach: Außenstehende fernhalten
Im Patent selbst erläutert BMW ohne Umschweife den Zweck dieser Lösung. Die Form der Schraube ist so gestaltet, dass sie von unbefugten Personen nicht mit handelsüblichen Antriebswerkzeugen gelöst oder angezogen werden kann. Es geht dabei nicht um Stil oder Design, sondern um Kontrolle über Reparaturen.
Vorgesehen ist der Einsatz solcher Schrauben an Stellen, die gut sichtbar sind oder eine konstruktive Bedeutung haben. Als Beispiele werden Sitzbefestigungen sowie Verbindungen zwischen dem Innenraum und der tragenden Karosseriestruktur genannt. Dabei handelt es sich um Bereiche mit großen Befestigungselementen und vergleichsweise hohem Anzugsdrehmoment.
Wo die größten Probleme entstehen könnten
Gerade an solchen Punkten könnten die neuen Schrauben zu einer echten Herausforderung werden. Aufgrund der begrenzten Kontaktfläche zwischen Werkzeug und Schraubenkopf steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Aufsätze brechen. Für Hobbymechaniker bedeutet das faktisch einen verschlossenen Zugang zu zentralen Fahrzeugkomponenten.
Erschwerend kommt hinzu, dass spezielle Werkzeuge zu Beginn kaum frei erhältlich sein dürften. Wahrscheinlich werden sie ausschließlich bei autorisierten BMW-Händlern verfügbar sein, was die Kosten für jegliche Arbeiten automatisch erhöht.
Ein Patent – viele Varianten

BMW beschränkt sich nicht nur auf eine Ausführung mit zylindrischem Schraubenkopf. Im Patent werden auch Varianten mit Senkkopf, klassischen konischen Schäften sowie sogar ein runder Kopf mit flachem Schaft beschrieben. Das eröffnet die Möglichkeit, solche Befestigungselemente in deutlich mehr Baugruppen einzusetzen.
De facto handelt es sich um eine universelle Lösung, die nach und nach in verschiedenen Bereichen des Fahrzeugs auftauchen könnte. Das würde noch mehr Spezialwerkzeuge und noch weniger Spielraum für alternative Wartung bedeuten.
Was das für BMW-Besitzer bedeutet
Derzeit existieren die neuen Schrauben lediglich auf Patenteebene. Es gibt keine Garantie, dass sie tatsächlich in die Serienproduktion gelangen. Dennoch sorgt die Richtung, in die sich BMW bewegt, bereits jetzt für Unruhe unter Mechanikern und Fahrzeughaltern.
Sollten diese Lösungen tatsächlich in der Fertigung Einzug halten, würde sich die Auswahl für Autobesitzer weiter verengen. Entweder sie wenden sich häufiger an offizielle Vertragshändler oder sie müssen lange nach unabhängigen Werkstätten suchen, die bereit sind, mit solchen Sonderbefestigungen zu arbeiten. In jedem Fall bedeutet das mehr Zeitaufwand, höhere Kosten und weniger Freiheit bei der Wartung des eigenen Fahrzeugs.
Auch außerhalb der Autobranche zeigt sich, wie stark Hersteller den Zugang zu Technologien steuern – ein aktuelles Beispiel dafür ist der Auftritt von Teslas humanoidem Roboter Optimus in Berlin.

